Bei der Übergabe getrennt: der digitale Zwilling Ihres Gebäudes

26 Oktober 2018 Kingspan
Confused Man Screen

Es ist „die Tragödie der Übergabe“. Sobald ein Eigentümer sein neues Gebäude in Besitz nimmt, geht ein Großteil des Wissens verloren, das für die Planung, den Bau und die Wartung erforderlich war.
 
In der Regel ist es so: Eine Person in der Lieferkette übergibt dem frischgebackenen Besitzer zusammen mit den Schlüsseln oder während der Soft-Landing-Phase ein Paket, oft eine einfache Schachtel, mit ein paar technischen Unterlagen, CD-ROMs, USB-Sticks und anderen Papierstücken. Dabei kann es sich um Herstelleranleitungen, Gerätegarantien und einige Informationen zur Gebäudeinstandhaltung handeln.
 
Oft fehlen Informationen oder sind falsch. Das bringt niemandem etwas. Wenn das Gebäude später dann eventuell nicht wie erwartet funktioniert und mehr kostet, weiß niemand so recht, woran es liegt. In diesem Fall muss der Facility Manager bei der Suche nach fehlenden Spezifikationen oder Daten alles auf den Kopf stellen, um Fehler zu korrigieren.
 
Das Problem wird mit der Zeit immer schlimmer. Facility Manager kommen und gehen. Irgendwann hat keiner mehr den Überblick, wann Komponenten voraussichtlich verschleißen oder kaputt gehen. Oder wer war noch gleich der Hersteller des Fensters, das eben zu Bruch gegangen ist? Verläuft hinter der Wand ein Stromkabel oder ein Rohr, über das wir bei einer Sanierung besser Bescheid wissen sollten? Eine Heerschar teurer und möglicherweise vermeintlicher Fachleute muss für eine zweite Bestandsaufnahme des Projekts herangezogen werden, bevor die Arbeit getan werden kann. Das alles wäre vermeidbar gewesen.
 
Der Gebäudebetrieb wird durch die bessere Erstellung und Verwaltung dieser Art von Informationen zum Glück einfacher. Building Information Modeling (BIM), zu Deutsch Gebäudedatenmodellierung ist schon jetzt dabei, die Zusammenarbeit in der Lieferkette völlig umzugestalten. Wie? Durch die Planung und Erstellung einer digitalen 3D-Version des Projekts vor und neben der physischen Version.
 
Diese Informationen können während der gesamten Betriebszeit des Gebäudes genutzt werden. Wenn das Gebäude fertig ist, enthält dieses virtuelle Gebäude – nennen wir es einen „digitalen Zwilling“ – alle notwendigen Informationen über den Grundriss, die genaue Lage von Leitungen im Gebäude, die Luftdichtigkeit, die Materialien und die allgemeine Gebäudeperformance. Auch die geografischen Rahmendaten des Projekts, wie z. B. die zu erwartenden Jahrestemperaturen und die Tageslichtsituation, werden berücksichtigt.

Paper to Model

Allerdings muss der digitale Zwilling genau dem entsprechen, was tatsächlich gebaut wird, nicht dem, was vor dem ersten Spatenstich geplant war. In den meisten Fällen wird das ursprüngliche BIM-Modell nicht die tatsächliche Gebäudestruktur widerspiegeln, da im Laufe des Projekts häufig noch Änderungen vorgenommen werden. Damit BIM optimal genutzt werden kann, sollte ein Projektteam diese Änderungen im digitalen Modell erfassen.
 
Die gute Nachricht ist, dass die BIM-Nutzung in Großbritannien bis 2018 um 12 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, wobei der NBS National BIM Report eine Durchdringung von 90 % in den nächsten drei bis fünf Jahren voraussagt. In den USA prognostiziert Allied Market Research, dass die BIM-Branche von 2016 bis 2022 ein jährliches Wachstum von 21,6 % verzeichnen wird, was einem Wert von 11,7 Mrd. US-Dollar in diesem Zeitraum entspricht. Was die Zukunft aber tatsächlich bringt, weiß natürlich niemand.
 
Was muss dafür geschehen? Was ist nötig, damit der digitale Zwilling einen wirklichen Nutzen hat? Zunächst müssen alle Glieder entlang der Bauprojekt-Lieferkette diesen Prozess in vollem Umfang mittragen. Ein häufig übersehener Punkt ist die Frage, was geschieht, wenn Auftragnehmer beginnen, sich so auf das Modell zu verlassen wie das Entwurfsteam. 80 % des Modells sind produktbezogen, 20 % geometriebezogen, so dass die Integration der Daten von Herstellern und Zulieferern die BIM-Entwicklung vorantreiben wird.
 
In Objektbibliotheken enthaltene Komponenten müssen mit denen anderer BIM-Beteiligten verknüpft werden, um eine voll funktionsfähige Simulation zu gewährleisten. Komponenten sollten dynamisch aktualisiert und über URLs oder QR-Codes zugänglich sein, um die Rückverfolgbarkeit über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes zu ermöglichen. Produkte dürfen nicht mehr isoliert dargestellt werden, sie müssen sich auf das eingesetzte System beziehen. Die Hersteller müssen zusammenarbeiten. 
 
Die gute Nachricht ist, dass es immer einfacher wird, die Definitionen von Kernbauteilen in die Anwendung einzubinden. So hat das Building Research Establishment (BRE) beispielsweise im vergangenen Jahr in Großbritannien ein BIM DataBook veröffentlicht. Mit dieser Produktbibliothek können registrierte Anwender ihre BIM-Objekte und die zugehörigen Daten mit der permanenten Herstellerdatenquelle verknüpfen.
 
Die Expertise des Herstellers kann so Rendite schaffen und jedem in der Kette Vorteile bringen: vom Pensionsfondsanleger bis hin zum Facility Manager – und dem nächsten Eigentümer. Mit den produktbezogenen Daten im Zentrum werden die Modelle eines Tages in der Lage sein, das Gebäudemanagement vorherzusagen und Eigentümer und Betreiber zu alarmieren, wenn sie routinemäßige Kontrollen und Dienstleistungen durchführen müssen. Manch einer ist sogar der Meinung, dass Ersatzteile, wie Stühle, Motoren und Beschläge, irgendwann direkt vom Modell bestellt werden könnten.
 
Wie auch immer es weitergehen wird, eines ist klar: Die Entwicklung und die Fähigkeiten des digitalen BIM-Zwillings stecken noch in den Kinderschuhen. Alle Personen, die am Bau und Betrieb von Gebäuden beteiligt sind, haben dafür zu sorgen, dass BIM zum Angelpunkt eines jeden Projekts wird und ihr Potenzial für die Zukunft der Branche entfalten kann.
 
Ist dies erreicht, werden digitale Zwillinge von Gebäuden muffigen, statischen Herstelleranleitungen den Rang ablaufen und zu Objekten, an denen Leistung gemessen werden kann, die von Lieferanten befragt werden können, um einen Nutzungswechsel oder eine Renovierung durchzuführen, oder die Facility Manager darüber informieren, wann eine Tür ersetzt werden muss, und gleich mit anbieten, die Tür beim Lieferanten zu bestellen.

Sprechen Sie mit uns über BIM

BG Kingspan

Kontakt: Brian Glancy
Head of BIM Strategy, Kingspan Group
Kontaktdaten 
 

Wir verwenden Cookies auf unserer Website www.kingspan.com. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren oder Ihre Cookie-Einstellungen zu ändern, d. H. Um Ihre Zustimmung zu der Verwendung bestimmter Kategorien von Cookies zu entfernen, besuchen Sie bitte unsere Cookie-Richtlinien und -Kontrolle.

Klicken Sie hier "Akzeptieren und schließen", um die Verwendung von Cookies auf unserer Website zu akzeptieren. Wenn Sie nicht auf "Akzeptieren und schließen", klicken, sondern diese Website weiterhin verwenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass alle Cookies von Kingspan und Cookies von Drittanbietern verwendet werden, um die Leistung zu verbessern, die Funktionalität und die Zielgruppenmessung zu verbessern. in Übereinstimmung mit den Bedingungen, die auf unserer Cookie-Richtlinien und -Kontrolle Seite; und wir gehen davon aus, dass Sie unsere Cookie-Richtlinien und -Kontrolle Seite gelesen und verstanden haben.